U N Z A P P E D 3
"Blue-Teeth mit Color-Rado"
R A T - R A C E
um seine Einschaltquoten in den
grünen Bereich zu hieven
Unter deutschen Fernseh-Schaffenden gilt es inzwischen als
Auszeichnung, und so ist bei ihnen eine ganz heiße, neue Rat-Race angesagt: Welcher
Bildschirm-Infanterist der ersten
Reihe schafft es vor allen anderen (und vor allem,
vor wem), in die "TV-World" von "EICHLER'S INCREDIBLE WEBLOG" zu kommen.
Diesmal hatte, wohl zu vieler anderen Verdruß, einmal mehr Thomas Gottschalk den Zinken vorn. Denn er hat sich für seinen lahm gewordenen Samstagabend-Quotenklepper "Wetten, daß...?" eine Kopie des "EICHLER'S INCREDIBLE WEBSITE"-Templates mit dem blau-vernebelten Wischeffekt-Überblend-Szenario als Bühnenbild "einfallen" lassen, um endlich, via Erwähnung in meiner "TV-WORLD", mit seinen Einschaltquoten wieder in die als erfolgreich zu wertende zweistellige Prozentzone zurückzufinden. Mit ganz in blau gehaltenen, verwischt-vernebelten Bühnenbildern, die wohl, anders als bei mir, nicht distanzierte Geisteshöhe anzeigen sollten, sondern den endgültigen Verlust des kommunikationshorizontischen Durchblicks. Und, nebenbei, wohl auch den geplanten Superstar-Mariah Carey-Auftritt in ein nicht ganz farbechtes himmlisches Licht setzen...
Doch - Hélas! - meine Venice Beach- und Charm Hotel-Freundin Mariah Carey sagte, als sie von dem geplanten Billigplagiat meiner Website-Ästhetik hörte, empört ihren Auftritt in letzter Minute ab (nicht ohne im Vertrag, wie bei ihr üblich, ein Ausfallhonorar auch für den Fall einer eigenen Absage festgeschrieben zu haben), da ihr ein weiterhin herzliches Verhältnis zu mir wichtiger war als Gottschalk den Gefallen zu tun, seine Quote ein paar Prozent anzuheben.Und so blieb ihm nichts
anderes übrig als die allzeit-bereite und -verfügbare Last Minute-Lückenbüßerin Leonna Lewis, die für solche Sondereinsätze immer Zeit hat, anzufordern und sie bei ihrem Auf- und Abtritt übertrieben artig ein- und auszuloben.
Doch auch der zweite Versuch, von der fulminanten "EICHLER'S INCREDIBLE WEBSITE"-Ästhetik durch sinnleer kopierte Blaupausen zu profitieren, ging buchstäblich in die Radfahrer-Hose: Sein Einradler, vor stilbrüchig Eichler-bremischem Frachtschiff-Hintergrund (ich bin
passionierter Einhand-Segler), scheiterte und stürzte just vor diesem Bildhintergrund - nein, nicht in, nur neben die Mülltonne. Aber vehlo-ehn is' vehlo-ehn, und "Wetten daß...?" stürzte da nicht nur Logo-grafisch vor aller Augen erneut gründlich ab.
Noch aber war der viel zu lange Abend längst nicht zu Ende - weitere Wetten und Show-Acts warteten auf ihre eingebläuten Versuche, Gottschalk diesmal doch noch ohne Pochers Unterstützung wieder in
die grüne Einschaltquotenzone zu hieven - wie etwa das blind mit nackten Füßen zu ertastende Katzenfutter (ging daneben).
Die ultimative Demonstration, warum Deutschland bis heute nicht weiß, was eine richtige Pizza ist (die Invasion der Fast-Food-Variante dieses Ofengerichts hat ihr Produkt hierzulande so erfolgreich als Standard etabliert, daß die Deutschen seither, jeder mit "seinem" "Lieblings-Italiener" als "Geheimtip", nur noch Punkte zwischen den vermeintlich gravierend unterschiedlichen Italian Diners-Versionen verteilen, die als einzige in diesem Land serviert werden - und sich dabei auch noch für
kulinarische "Kenner" halten), führte ein hiesiger Pizzabäcker (einer für alle) auf seinem Motorrad vor, indem er zur Befriedigung der Genußansprüche des deutschen "Gourmets" nicht einmal vom Motorrad steigen mußte.
Als erster alpiner Höhepunkt der Sendung, zumindest was seine Sitzposition anging, scheiterte sodann Gottschalks Versuch, vom "INCREDIBLE EICHLER"-blauen Himmels-Thron herab zu versuchen, ein Tischfußballgeschehen zu verfolgen, bei dem ein Spieler gegen elf andere gewinnen wollte und nicht gewann - was aber, erhöhte Position
rauf und runter, nur mit Kameraprüfung zu beweisen war, weil Gottschalk von da oben, wo er nun mal nicht hingehört, garnichts sehen konnte.
Spätestens da wäre es nun höchste Zeit gewesen für eine quotensichere Show-Einlage aus den frühen Sechzigern, etwa einem echt stylishen SHANGRI-LAS-Revival mit ihrem Hit "I'm Blue"!
Aber nein - mehr als eine schaurige Motten-Kiste der Fünfziger, im Event-Industrierausch der zeitgenössischen Bühnenproduktionen voreilig zum "Ereignis" hochgejubelt und von Gottschalk tatsächlich und Alzheimer-verdächtig für "sagen wir mal frühe Sechziger" erklärt (dabei ist er doch derselbe Jahrgang wie ich und müßte es besser wissen), konnte da, vermutlich im Sponsoren-Promotion-Zwang, nicht geboten werden. "Frühe Sechziger" aber waren bei uns, vor dem endgültigen Beat-Durchbruch in allen musikalischen Feldern, lediglich Little Eva und
Chris Montez, und nicht die "HAIRSPRAY"-Bomben der Fünfziger, die lediglich in Amerika, das aber bis heute in Verkörperung der Peggy Bundy-Ikone, zeitlosen "Trendchic" darstellen und vom zeitgenössischen Entertainment-Showspießertum wohl nur zu gern dem ebenso zeitlosen echten Sechziger-"HAIR"-Style entgegengesetzt würden. Weil eben Spießer-Papi, seinem Naturell nach sowieso eher ein "Blue Meanie" als ein Pepperland-Bewohner, entgegen aller eigenen Bekundungen, die seinem naiven Nachwuchs imponieren sollen, eben doch in den Sechzigern nirgends "dabei war", und schon gar kein "Hippie": Es gibt einfach (eine ebenso biologische wie biografische Unmöglichkeit) keine Raupe, die "früher auch mal", "vorübergehend", "ein Schmetterling war"!
Daß Gottschalk auch diesmal wieder einen Kanadier (Michael Bublé) als Amerikaner bezeichnet hat, um sich dann wortreich zu korrigieren, wie er es mit nahezu allen kanadischen Künstlern seiner Sendung regelmäßig tut, dürfte vielleicht doch weniger in einer heranschleichenden Altersdemenz begründet sein - vielmehr erscheint es langam als Masche, die Moderationsminuten auf möglichst einfallslose Art füllen und überbrücken zu können, ohne sich noch groß "einen Kopf" machen zu müssen, was man denn so reden könnte bis zur nächsten Wette.
Für alle Fälle aber, sollten alle Blue-Hour-Träume der Bühnendesigner für Gottschalks Comeback in der Einschaltquoten-Hitliste scheitern, hat er sich dann doch, harmlos als "Wette" platziert, eine Fallback-Rückversicherung seiner Werbehonorare mit Goldbär, Haribo und Co-
lor-Rado gesichert, indem ein kongeniales Naschmaul als Wettkandidat sich die Zähne mit Lakritzschnecken blau färben durfte, deren Enden es im Mund zu einem Knoten schlang. Was - endlich, endlich mal - gelang! In der Zuschauergunst allerdings weniger gut ankam und am Ende nur im einstelligen Prozentbereich punktete.
Doch Gottschalks Blau-Repertoire war damit noch längst nicht erschöpft. Auch die Florian Silbereisen-Ecke sollte noch ein paar Zuschauer zu "Wetten, daß... ?" beisteuern, weshalb auch, neben Leonna Lewis, endlich mal jemand wie Wolfgang und Stephanie Stumph eingeladen waren, der Sendung zum Auftakt eine Hymne zu singen. Eine akzeptable Quote muß man eben aus allen Ecken zusammenkratzen, und man selbst ist schließlich auch irgendwie schon in dem Alter. Damit aber der doch etwas specklederne Glamour dieses Acts die zu kurz gekommene Mariah Carey-Fangeneration nicht endgültig vergrault, legt man einfach noch
einen Nachschlag drauf, mit Vergnügtheitsbombe Michelle Hunziker im Triett und vor übermächtig-eindrucksvollem, diesmal echt alpinem "Berner Oberland"-Naturpop in, sagen wir, "EICHLER'S INCREDIBLE PANORAMA"-Blau, mit verwischtem Grün davor, damit's nicht ganz so eintönig wird! Wenn das die Quote nicht rettet, dann hilft garnichts mehr ? Genau das ist fraglos zu befürchten.
Daran dürfte auch die Tatsache nichts ändern können, daß selbst das "Aktion Mensch"-Mitmach-Formular erstmals in seiner Geschichte nicht
mehr knallrot sein mußte, sondern in geschmackvollem Eichler-Blau erstrahlen durfte.
Als (vielleicht einzigen) Gewinner des Abends darf sich deshalb wohl allein Gottschalk fühlen, wenn auch nicht im erweiterten Sinn: Die Erwähnung in meinem "INCREDIBLE WEBLOG", immerhin, hat er, wie Sie sehen, mit dem blau-vernebelten Breitbildbühnenabend trotz allem hingekriegt. Weil ich in meiner buddhischen Empathie mal ein Auge zugedrückt habe und, wie alle Einäugigen des ZDF, auch mal mit dem zweiten nicht mehr scharf sehen wollte.
Ob das nun allerdings dafür reichen wird, seine Einschaltquote wieder in ein vertretbares Verhältnis zu seinen Honorarsätzen zu liften, schien für Gottschalk am Ende doch mehr als nur fragwürdig, und mißverständlich
beendete er die blauen Stunden mit dem Satz: "Ich verabschiede mich von meiner Bank." (Aber damit hatte er wohl nur die Sitzbank nebst der für ihn darauf befindlichen "Promi"-Gesäße gemeint.)
Den Versuch war es vielleicht wert, aber daß dieser ersehnte und mir angestrengt abgenötigte Weblog-Eintrag Gottschalk wirklich in die Bedeutungsliste der deutschen Medienquotenrenner zurückkatapultieren wird, bezweifle selbst ich, bis hin zum Grad der Verneinung.
Und so wird auch das ZDF-Containerschiff Gottschalk sich wohl irgendwann demnächst im verwischten Bluescreen-Nebel der Bühne
auflösen und im zwielichtigen Nichts des Jenseits-Nachruhms verlieren, wie in Bremen seine Ersatz-Mariah Leonna schon zu Anfang der Sendung. "INCREDIBLE BLUE" hin oder her.
Auch ich und meine himmlische "WEBSITE"-Ästhetik sind schließlich keineswegs allmächtig.
P.S.: Gewonnen hat in Bremen (5.12.2009) ein Kandidat, der im Minifiguren-Lerchesland alle ZDF-Winzlinge der Programmkonzeption und -gestaltung namentlich benennen konnte. Aber das spielt weder für den Programm-Abend noch für die Zukunft des Senders eine Rolle. Und
hätten sie nur ein wenig in die Zukunft sehen können, zum Beispiel
mit Hilfe ihres mit Abstand besten und intelligentesten Wetter-Berichterstatters
Deutschlands, Gunther Tiersch, dann hätten sie wissen können, wie das echte
"EICHLER'S INCREDIBLE WEBSITE"-Blau aussieht. Und daß es auch ohne ihre
Farbspielchen in Deutschland bald überall saukalt wird - insbesondere in den
okkult-vernebelten Fernsehredaktions- und -übertragungsköpfen und -stuben. Die große
kosmische Kälte ist bei allen jauchehirnig-vermessenen Möchtegern-"Weltherrscher"-Würstchen
und -Versagern ohnehin längst angekommen und wird schon bald, auch für alle ihre
Bildschirm-Hampler, -Bedarfsmarionetten und -Fürzchengeber spürbar, von den "inneren"
Wahnwelten auch in ihr Diesseits herüberwehen.
Die blauen Lippen kommen da ganz von selbst, auch ohne MAZ-Bearbeitung!
Betrachtungshöhe - und der Weite des panoramischen, "unembedded" freigeistigen
Horizonts. An meinem lasse ich Sie hier gern immer wieder teilhaben. Ächzen Sie mit
beim distanzierten Blick auf die Blätter unseres Print-Waldes und ihre Spreu, das
Online-Laub im Web. Gänzlich...



