
M A I N H A T T A N
Calamares mit Musik

DAS EINZIG WAHRE
WM-ORAKEL
Ein besonders barbarischer Akt an einem der intelligentesten Tiere der
Unterwasser-Fauna hat sich im Anschluß an die 0:1-Niederlage der deutschen
Fußball-WM-Mannschaft gegen die spanische in einem griechischen Restaurant
in Frankfurt ereignet. Da der aus Presse, Funk und Fernsehen bekannte, zu
Orakelzwecken abgestellte Octopus, der offenbar öfter "recht hat", als es jeder
Wahrscheinlichkeitsrechnung entspricht, bei seiner
Futternapfwahl im Aquarium zutreffenderweise Spanien den Sieg vorausgesagt hatte,
bestellte ein rachsüchtiger deutscher Gast beim griechischen Wirt eine Lokalrunde
Calamares - und sie wurde natürlich auch serviert.
Von diesem neuerlichen Beweis für das traditionell unterentwickelte
Ernährungsverständnis der Ur-Frankfurter einmal abgesehen ("Handkäs mit Musik",
"Ebbelwoi", u.ä.), ist es geradezu ein Prädiktions-Mißverständnis und
seherische Ignoranz, einem Tiefsee-Knorpeltier mit Wellensittich-Wetzstein
als Rückenstück irgendeine augurische Kompetenz zuzuschreiben - und es im Fall
einer aus jeweiliger Parteilichkeit heraus empfundenen "falschen" Auswahl
seiner präferierten Mahlzeit dafür zur Rechenschaft ziehen zu wollen.
Auch Tintenfische haben Geschmack - und eine Meeresfrüchtepaella im spanischen
Behälter
mundet eben auch ihnen um einige Sterne besser als das im deutschen Glasbehälter
befindliche Labskaus. Dies dürfte auch Pauls aktuelle "Auskunft" für das Endspiel
Spanien vs. Niederlande bestimmt haben - mit industriellem Kaugummi-Gouda
gratinierte Tulpenzwiebeln im holländischen Glasbehälter sind ebenfalls
weit weniger verlockend für die feinen Sinne des submarinen Feinschmeckers
als das spanische Angebot. Doch diese gourmetische Kompetenz des
kultivierten Octopus macht ihn noch längst nicht zu einer auskunfterteilenden
Instanz, was die für ihn nichtssagende Beflaggung der Futterbehälter angeht - und
schon garnicht zum schuldhaft
verantwortlichen Urheber eines vermeintlich "treffend
vorausgesagten" Ausgangs eines Fußballspiels. Octopusse spielen nicht einmal
Wasserball.
Da aber die Sehnsucht der Menschen, nicht nur der Fußballfans, unverbesserlich
danach strebt, aus irgendwelchen Kaffeesätzen, Dirndlfalten, Karpfen-Luftblasen,
Handkäs-Marmorierungen und Sheba-Futternäpfen eine Auskunft über die nahe
Zukunft zu erhalten, statt sie bei einer Tasse Darjeeling oder meinetwegen
Ostfriesentee bis zu ihrem Eintritt als verläßliche Gegenwart und Realität in Ruhe
abzuwarten, will ich hier für die verbleibenden beiden Spiele das einzig wahre
WM-Orakel enthüllen, das unter Fußball-Eingeweihten bisher streng gehütet
und geheim gehalten und nur in hermetischen Logen von Mund zu Ohr an Auserwählte
weiter gegeben wurde, und das sich auch diesmal wieder seit WM-Beginn (von zwei
kleinen, peinlichen "Ausrutschern" in der Vorrunde einmal abgesehen) bestens als
verläßliche Auskunft über den Ausgang des bevorstehenden Fußballspiels bewährt hat:
Das Schiedsrichter-Einlauf-Orakel. Wenn beide Mannschaften in Reihen ins
Stadion einrücken, werden sie vom Schiedsrichter-Trio angeführt,
und der Schiedsrichter nimmt dabei vom Podest den Ball an sich, mit dem er dann
hinaus auf das Spielfeld geht (siehe Beispiel-Foto rechts).
Und genau damit verrät uns das Schiedsrichter-Einlauf-Orakel, welche Mannschaft das Spiel gewinnen wird: Nämlich die Mannschaft, auf deren Seite er an dem Podest vorbeigeht, wenn er den Ball an sich nimmt. Im Fall des Beispiel-Fotos also: die links einlaufende Mannschaft.
Beim Spiel der deutschen Mannschaft um Platz drei, am Samstag, hatten sowohl
Octopus und Schiedsrichter-Orakel wieder recht: Die deutsche Mannschaft gewann und
erreichte den dritten Platz - ohne sich allerdings nach ihrer Rückkehr
auch nur mit der
kleinsten Geste für die Unterstützung ihrer Party-berauschten Anhänger dankbar
zu zeigen. Und beim Endspiel am Sonntag, einen Tag danach, hatte diesmal nur
Feinschmecker Paul, der Octopus, mit seiner Paella-Präferenz richtig gelegen.
Der englische Schiedsrichter Webb (s. Foto links), der nach Lektüre dieser Blog-Enthüllung absichtlich irreführend auf Holland-Seite ins Stadion einlief, wollte offenbar nicht nur das Schiedsrichter-Orakel, sondern auch alle Spiel-Regeln unterlaufen, und verzichtete trotz des bekannten, wie immer krankhaft verbissenen Oranje-Hooliganismus mit Körperverletzungen ohne Todesfolge auf mehrere rote Karten. Eine zwanzigjährige FIFA-Sperre Hollands für alle offiziellen Turniere ist längst überfällig. Eine Lokalrunde Schiedsrichterfleisch aber wäre da trotzdem, auch ausnahmsweise, keine vertretbare Option gewesen. Nicht einmal in Afrika...

I was just thinking about
the way it's supposed to be,
I'll eat the plants
and the fruit from the trees,
And I'll live on vegetables
and I'll grow on seeds,
But I don't eat animals
and they don't eat me.
Oh no, I don't eat animals
'cause I love them, you see.
I don't eat animals,
I want nothing dead in me.
I don't eat white flour,
white sugar makes you rot.
Oh, white could be beautiful,
but mostly it is not.
A little bit of whole meal,
some raisins and cheese,
But I don't eat animals
and they don't eat me.
Oh no, I don't eat animals
'cause I love them, you see.
I don't eat animals,
I want nothing dead in me.
A little bit of whole meal,
some raisins and cheese,
I'll eat the plants
and the fruit from the trees,
And I'll live on vegetables
and I'll grow on seeds,
But I don't eat animals
and they don't eat me.
Oh no, I'll live on life,
I want nothing dead in me.
You know I'll become life,
and my life will become me.
You know I'll live on life,
and my life will live on me.
aus: "LEFTOVER WINE")
Nicht jeder hat das Glück, zur richtigen Zeit (Niederlage der deutschen Mannschaft) im richtigen Frankfurter Restaurant zu sein und einer Lokalrunde Sepia officinalis beiessen zu können. Für alle anderen sowie kluge Kurztrip-Besuchs-Planer für Mainhattan gibt es zumindest Rabatt-Coupons zur schnellen Befriedigung aller gängigen Food-Variations-Präferenzen.
Eine gerade wieder und eigentlich immer aktuelle Gammelfleisch-Ausschluß-Garantie gibt es nicht, versteht sich. Und auch Melanie sollte besser nichts davon erfahren - sie ist heute noch Vegetarierin. Aber klicken Sie ruhig mal rein - Sie müssen ja nicht wirklich etwas davon essen.





Betrachtungshöhe - und der Weite des panoramischen, "unembedded" freigeistigen
Horizonts. An meinem lasse ich Sie hier gern immer wieder teilhaben. Ächzen Sie mit
beim distanzierten Blick auf die Blätter unseres Print-Waldes und ihre Spreu, das
Online-Laub im Web. Gänzlich...
oder ungekürzt, aber immer kommentiert
zu lesen sein. Ebenso wie Internet-Analysen, Webworld-Studien und
E-Kommunikations-Betrachtungen der profunderen Art. Unzensiert - und immer...
