
M A I N H A T T A N
Frühlingsluft 2010
AIRPOT
FRANKFURT
Frankfurt gilt mit seinen Grünanlagen, dem Stadtwald (was nach den diversen Start-
und Landebahnbauten, seit Hitlers ersten Rodungen für einen überflüssigen
Zeppelin-Luftbahnhof, noch von ihm übrig ist) und
dem Naherholungs-Taunus als Umwelt-privilegierte Metropole. Wer aber deshalb an
gesunde Luft glaubt und, nicht nur an wärmeren Tagen, nach Frankfurt fährt, den
empfängt nicht etwa Frischeduft - sondern Feinstaubluft. Und Kohlenmonoxid,
Schwefeldioxid, und wie die Segnungen der industriellen Zivilisation für den in
sie eingebettet überlebenden Menschen noch so lauten.
"Dicke Luft in Frankfurt" meldete "MiX" im November, flankiert vom
"BlitzTip", der besonders dem hessischen Trinkwasser einen, laut
Foodwatch, extrem hohen Gehalt an Uran attestierte, vom extrem hohen
Kalkgehalt sicher kein bißchen "neutralisiert". Der Waschmaschine hilft vielleicht
Calgon - dem
Menschen garnichts, falls er sein Trinkwasser nicht abkochen will, was aber
nur den Kalk, nicht das Uran ausfällt.
Einziger Lichtblick im Feinstaub-Smog, sehr zur Freude der Stadt-Administration
und von Josef Ackermann persönlich: China eröffnete
seine vierte Bank in Frankfurt, wie "Welt Kompakt" mitfreudig meldete. Aber nicht
irgendeine - sondern die "Agricultural Bank of China". Die wird zwar die dicke Luft
nicht dünner machen oder den abgeholzten Startbahnwald grüner, aber dafür sorgen,
daß mehr "grüne Dollars" über die Konten fließen werden. Greenbucks,
sozusagen.
Der Geldschein-Teppich ist also ausgerollt - jetzt muß die Klimakatastrophe nur noch die Startbahn freimachen und einen Keil in den ungewöhnlichen märzlichen Kältepanzer treiben. Und schon kann der Frühling - mit grüner Abgas-Plakette an der Windschutzscheibe, versteht sich - auch dieses Jahr wieder ins Stadtgebiet einfahren.
Die Eichhörnchen, die mangels ihrer entholzten Lebensräume zwischen und unter geparkten Autos durch Frankfurter Straßen hetzen, um irgendwo ein Hanuta oder Ferrero Küßchen zu ergattern, würde das sicher freuen.

Welcome, sulphur dioxide!
Hello, carbon monoxide!
The air, the air
Is everywhere.
Breath deep, while you sleep,
Breath deep!
Bless you, alcohol bloodstream!
Save me, nicotine lung steam!
Incense, incense
Is in the air.
Breath deep, while you sleep,
Breath deep!
Cataclysmic ectoplasm,
Fallout atomic orgasm,
Vapour and fume
At the stone of my tomb,
Breathing like a sullen perfume,
Eating at the stone of my tomb!
Welcome, sulphur dioxide!
Hello, carbon monoxide!
The air, the air
is everywhere!
Breath deep, while you sleep,
Breath deep, deep, deep-de-deep!
Original Broadway Cast)
Um den Grad der Dosierung neuer Medikamente genau auf
den Typus und das Stadium der Erkrankung bei Asthma Bronchiale abstimmen und
quantifizieren zu können, führt Dr. Andreas Eich vom IFK (Institut für Klinische
Forschung, Abteilung Pneumologie) seit Monaten und in nächster Zeit
Untersuchungen mit Frankfurter Bürgern durch, deren Atemwegsorgane bereits die
nicht nur durch Atmen, sondern vielleicht auch vom ergänzenden Rauchen (ich
selbst rauche, beschönigend veranschlagt, etwa dreißig selbstgedrehte
Gauloises täglich) verursachten einschlägigen Schäden aufweisen. Freiwillige
Probanden sind eingeweidlich aufgefordert, sich bei seinem Institut oder bei ihm
selbst zu melden. Zur Belohnung gibt's vielleicht keine Risiken oder Nebenwirkungen,
dafür (vor allem für spätrömische Hartz IV-Luftraumgeschädigte ohne
Praxisgebühren-Budget interessant) ein paar Euro für's nächste Päckchen
Zigaretten.



